Hörgeräte und Tinnitus

Hörgeräte

Bei den Hörgeräten unterscheidet man:

  • Taschengeräte,
  • HdO-(Hinter dem Ohr)-Geräte,
  • Conchageräte, die in der Ohrmuschel getragen werden,
  • IdO-Geräte, die im Gehörgang getragen werden,
  • Hörbrillen,
  • Knochenleitungsgeräte und eine
  • Cros-Versorgung, bei der auf der tauben Seite ein Mikrofon installiert und über Kabel (verborgen in Brille oder Haaren) oder Bluetooth mit einem auf der gesunden Seite getragenen HdO-Gerät verbunden wird.

Als allgemeine Indikation für das Tragen eines konventionellen Hörgerätes gilt eine Sprachverständlichkeit für Einsilber im Sprachaudiogram auf dem besser hörenden Ohr von 85 % oder weniger. Im Tonaudiogramm soll der Hörverlust auf dem besser hörenden Ohr bei einer Prüffrequenz zwischen 500 Hz und 3000 Hz mindestens 30 dB betragen. Eine beidseitige Versorgung ist bei beidseitigem Hörverlust (Schwellendifferenz weniger als 30 dB) angezeigt, besonders bei Patienten mit Publikumskontakten im Beruf.

Im Einzelfall ist auszuprobieren, ob mit einem oder zwei Hörgeräten das Hören deutlich verbessert werden kann.

Der HNO-Arzt muß vor einer Hörgeräteversorgung eine umfassende Untersuchung durchfüh-ren, u.a. den äußeren Gehörgang und das Trommelfell beurteilen, ggf. eine Entzündung behandeln und Ohrschmalz entfernen. Untersucht werden müssen zumindest das Ton- und Sprachgehör, die Unbehaglichkeitsschwelle und ob ein operabler Mittelohrdefekt vorliegt.

Die HNO-ärztliche Aufgabe bei der Hörgeräteversorgung besteht u.a. in der Beteiligung an Qualitätssicherung, Diagnostik und Abklärung von Indikationen und Kontraindikationen, Beratung und Nutzen und Grenzen, Bauformen und vergleichende Anpassung. Es muss geprüft werden, inwieweit das Hörgerät im Ohrbereich gut vertragen wird.

Das Anpassergebnis muß durch den HNO-Arzt überprüft werden, insbesondere wie die Einsilber in freiem Schallfeld gehört werden. Dies muß für den Kostenträger bescheinigt werden.

Hören mit Hörgeräten muß man erlernen. Bei fehlender persönlicher Motivation des Patienten sind die individuelle Aufklärung, probeweises Tragen ohne Verordnung und Nachbetreuung mit Hörtraining erforderlich. Weiterhin sollte der HNO-Arzt dem Patienten raten, 4–6 Monate lang 1mal pro Monat die Anpassung des Hörgerätes beim Akustiker verbessern zu lassen. Das Hörgerät sollte möglichst ganztags getragen werden. Treten zu Beginn Probleme auf, so ist eine langsame Verlängerung der Tragedauer angezeigt.

Bei starken Nebengeräuschen und schlechtem Verstehen in der Gesprächsrunde können die Geräte mit Richtmikrofon, Störschallunterdrückung und beidohriger Versorgung Besserung schaffen.
Die Betriebsdauer einer Batterie beträgt je nach Verstärkung 1–14 Tage, die Lebensdauer eines modernen Hörgerätes liegt bei 5–10 Jahren.

Tinnitus

Tinnitus ist ein Symptom des Hörsystems. Alle Schädigungen des Hörsystems führen zu einer Hörverschlechterung und/oder Tinnitus.

Der subjektive Tinnitus tritt häufig in Verbindung mit einer Innenohrschwerhörigkeit auf. Sie können jedoch auch alleiniger Ausdruck einer cochleären oder retrocochleären Schädigung sein. Seltener wird Tinnitus durch Arzneimittel verursacht.

Objektiv nennt man einen Tinnitus, wenn er vom Untersucher zu hören oder durch andere Techniken objektivierbar ist. Es handelt sich um Geräusche, die in der Regel auf pathologischen Veränderungen des Gefäßsystems im Kopf-Hals-Bereich beruhen oder auf tonisch-klonische Kontraktionen der velo-palatinalen Muskulatur oder der Mittelohrmuskeln zurückzuführen sind.

Eingeteilt wird der Tinnitus nach Biesinger in kompensierten Tinnitus, d. h., der Patient regis-triert das Ohrgeräusch, kann jedoch so damit umgehen, daß keine weitere Komorbidität auftritt und in dekompensierten Tinnitus, wobei der Tinnitus massive Auswirkungen auf sämtliche Lebensbereiche hat und zur Entwicklung der Sekundärsymptomatik führt und ein hoher Leidensdruck besteht (Angst, Schlaf- und Konzentrationsstörung, Depressionen).

Die Ursache liegt in der Regel ursprünglich in der Schnecke (Cochlea). Die zentrale Verarbeitung des Tinnitusreizes führt – wie bei jeder Sinnesverarbeitung – letztendlich zu einer zentralen Reizantwort. Häufige Antworten sind Aufmerksamkeitslenkung zum Tinnitus, Angstauslösung und/oder Muskelverspannungen. Nach Jastreboff handelt es sich dabei um einen konditionierten Reflex, nach Zenner und Bierbaumer handelt es sich um eine kognitive Sensibilisierung. Da es sich um eine Störung auf kognitiver Ebene handelt, wird man therapeutisch durch kognitive Intervention, z. B. durch kognitive Verhaltenstherapie eingreifen.

Jastreboff schlägt in seiner Retrainingtherapie einen Schallreiz (z. B. mittels Noiser) zur Therapie vor.