Studien

NEOPA-Studie zur Behandlung von Bauchspeicheldrüsenkrebs

Am Städtischen Klinikum Karlsruhe beteiligt sich die Klinik für Allgemein- und Visceralchirurgie als Studienzentrum in Zusammenarbeit mit der Klinik für Strahlentherapie und der Medizinischen Klinik III (Onkologie) an der NEOPA-Studie zur neoadjuvanten Radiochemotherapie (RCTx) für resezierbare, nicht metastasierte Adenokarzinome des Pankreaskopfes.

Es handelt sich um eine vom Universitätsklinikum Hamburg geleitete multizentrische, prospektiv randomisierte Phase III-Studie. 

Ansprechpartner im Städtischen Klinikum Karlsruhe

Prof. Dr. med. M. R. Schön
Dr. med. Axel Schöttler
Telefon: 0721 974-2101 (Sekretariat der Klinik f. Allgemein- u. Visceralchirurgie)

Hintergrund

Die 5-Jahres Überlebensraten bei Patienten mit einem duktalen Adenokarzinom des Pankreas sind auch nach Einführung moderner, multimodaler Therapien mit 7-25% schlecht.

Das primäre Studienziel der NEOPA-Studie ist der Nachweis der Überlegenheit einer neo-adjuvanten Radio-Chemotherapie auf das Überleben beim histologisch gesicherten, resektablen Adenokarzinom des Pankreaskopfes bzw. Processus uncinatus mit einer Tumorgröße von 2cm (oder größer) und/oder engem Kontakt zur mesenterico-portalen Gefäßachse (Vena mesenterica superior, Vena portae) im Vergleich mit einer alleinigen Operation durch eine Erhöhung der 3-Jahres-Überlebensrate von 30% auf 42%.

Bei dem Forschungsvorhaben handelt es sich um eine nationale, offene, multizentrische, prospektiv randomisierte Phase III-Studie. Es erfolgt eine 1:1 Randomisierung von insgesamt 410 Patienten. Es nehmen insgesamt 17 Universitätskliniken und außeruniversitäre Krankenhäuser, verteilt über das gesamte Bundesgebiet an dieser Studie teil.

Studienablauf

Bei Erfüllen sämtlicher Ein- und Ausschlusskriterien und Zustimmung des Patienten zur Teilnahme an der NEOPA-Studie erfolgt die Randomisierung entweder in die Behandlungs- oder Kontrollgruppe.

Behandlungsgruppe:

Patienten, die der Studiengruppe mit neoadjuvanter RCTx zugeführt wurden, erhalten Gemcitabin in einer Dosis von 300mg/qm wöchentlich über einen Zeitraum von 6 Wochen. Die 3-D konformale Strahlentherapie erreicht eine kumulative Gesamtdosis von 50,4Gy, aufgeteilt in 28 Einzelgaben von jeweils 1,8Gy pro Tag.

Nach einer Erholungsphase (3-6 Wochen) und Restaging erfolgt die Operation mittels partieller Pankreatiko-Duodenektomie.

Es schliesst sich eine adjuvante Chemotherapie (präferentiell Gemcitabin) an.

Kontrollgruppe:

Patienten, die der Referenzgruppe zugewiesen wurden, erhalten primär eine partielle Pankreatiko-Duodenektomie, ohne vorangehende neoadjuvante Therapie.

Auch in dieser Gruppe schliesst sich eine adjuvante Chemotherapie (präferentiell Gemcitabin) an.

Ein-/Ausschlusskriterien

Einschlusskriterien: 

  1. Histologisch gesichertes, resektables Adenokarzinom des Pankreaskopfes bzw. Prozessus uncinatus mit einer Tumorgröße von 2 cm (oder größer) und/oder engem Kontakt zur mesenteriko-portalen Gefäßachse (Vena mesenterica superior, Vena portae)
  2. Karnofsky-Performance Status ≥ 80%
  3. Serum-Kreatinin ≤ 3,0 mg/dl
  4. Leukozytenzahl ≥ 3.5 x 109/ml
  5. Thrombozytenzahl ≥ 100 x 109/ml

Ausschlusskriterien: 

  1. Alter < 18 Jahre
  2. Neuroendokrine und/oder Azinuszellkarzinome
  3. Tumore des Pankreaskörpers und/oder –schwanzes (Läsionen linksseitig der Vena mesenterica superior)
  4. Tumorrezidive
  5. Fernmetastasen
  6. Infiltrationen von extrapankreatischen Organen, ausgenommen Duodenum und Mesocolon transversum
  7. Persistierende Cholestase/Cholangitis trotz adäquatem biliären Abfluss
  8. Hochgradige therapieresistente Magenausgangsstenose, insbesondere im Fall einer endoskopisch belegten Tumorinvasion in die gastro-duodenale Schleimhaut
  9. Tumorspezifische Vorbehandlung des Pankreaskarzinoms
  10. Gastrointestinale Perforation, z. B. perforierte Sigmadivertikulitis, abdominelle Abszesse oder intestinale Fisteln in den letzten 6 Monaten vor Einschluss in die Studie
  11. Radiologischer Beleg einer schweren portalen Hypertension bzw. kavernomatöser Transformationen, die nach Ansicht des verantwortlichen Chirurgen die chirurgische Therapie beeinflussen könnte
  12. Gleichzeitige Tumorerkrankungen entsprechend folgender Kriterien:
    a. Bekannte Zweitmalignome, die das Überleben auf weniger als 3 Jahre bei Studieneinschluss reduzieren
    b. Neu aufgetretene oder rezidivierte Tumorerkrankungen innerhalb der letzten 3 Jahre vor Studieneinschluss (ausgenommen sind (I) erfolgreich behandelte Prostatakarzinome T1a/T1b ohne Lymphknotenmetastasen, (II) kurativ behandelte Hauttumore, die keine Malignen Melanome sind (III) erfolgreich behandelte Karzinoma in-situ und CLL in stabiler Remission)
    c. Vorbehandlung eines Zweitmalignoms, die eine prüfplangemäße Gabe der neoadjuvanten Radiochemotherapie nicht zulässt
  13. Prämaligne hämatologische Dysfunktion, z. B. myelo-dysplastische Syndrome
  14. Schwere Organdysfunktionen insbesondere:
    Schwere Gerinnungsdysfunktionen, Blutungsdiathese, Koagulopathie
    Notwendigkeit einer therapeutischen Anti-Koagulation bzw. International Normalized Ratio ≥ 1,5
    Behandlungsresistenter Ikterus
    Leberzirrhose ≥ Child B
    Kardio-pulmonale Erkrankung (NYHA Klassifikation ≥ III; Arrhythmia Lowen III/IV; globale respiratorische Insuffizienz)
    Aszites
    Akute Pankreatitis
  15. Chronische infektiöse Erkrankungen, insbesondere Immundefiziente Syndrome z. B. Humanes Immundefizienz-Virus Infektionen, aktive Tuberkulose innerhalb von 12 Monaten vor Studieneinschluss
  16. Andere schwere Erkrankungen, die die Komplettierung des beschriebenen Behandlungsschemas verhindern könnten
  17. Schwere neurologische Erkrankungen wie z. B. zerebrovaskuläre Ischämien
  18. Schwangerschaft oder stillende Frauen
  19. Schwerwiegende medizinische, psychologische, familiäre, soziologische und geographische Bedingungen oder Umstände, die die Teilnahme bzw. Compliance an der Studie und dem Follow-up beeinträchtigen können
  20. Teilnahme an anderen klinischen Studien in den letzten 6 Monaten vor Teilnahme an dieser Studie

Studiensynopse

Studienziel:

Nachweis der Effizienz einer neo-adjuvanten Radio-Chemotherapie auf das Überleben beim bioptisch gesicherten, resektablen Adenokarzinom des Pankreaskopfes durch Erhöhung der 3-Jahres Überlebensrate von 30% auf 42%.

Primärer Endpunkt:

3-Jahres Überlebensrate

Sekundäre Endpunkte (Auszug): 

  1. Histologisch nachgewiesene R0-Resektionsrate basierend auf einem standardisierten histopathologischen Protokoll
  2. Resektabilitätsrate (beachte: schließt sowohl R0 als auch R1-Resektionsraten ein)
  3. Rate von unerwarteten intraoperativen Komplikationen, postoperative Morbiditätsrate, insbesondere das Auftreten von Pankreasfisteln und die Mortalitätsrate
  4. Krankheitsprogression unter neoadjuvanter RCTx
  5. Lebensqualitätsanalyse (EORTC QLQ C30 Questionaire)
  6. Medianes krankheitsfreies Überleben (DFS, lokal und distant), Gesamtüberleben

Intervention:

Gruppe 1: Neo-adjuvante RCTx mit Gemcitabin 300mg/qm für 6 Wochen in Kombination mit einer Radiotherapie (je 1,8Gy an 28 Tagen; Gesamtdosis 50,4Gy). Anschließend erfolgt eine klassische oder pyloruserhaltende partielle Pankreatiko-Duodenektomie und eine adjuvante Chemotherapie, präferentiell mit Gemcitabin.

Gruppe 2: Klassische oder pyloruserhaltende partielle Pankreatiko-Duodenektomie gefolgt von einer adjuvanten Chemotherapie, präferentiell mit Gemcitabin.

Patientenzahl:
n=410 (pro Behandlungsarm n=205)

Studiendauer:

  • Rekrutierungsdauer: 36 Monate
  • Beobachtungszeitraum: 72 Monate
  • Gesamtdauer: 78 Monate


Sponsor der Studie:
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, vertreten durch den Dekan

Leiter der klinischen Prüfung: 
Prof. Dr. med. J. R. Izbicki (Hamburg)