Gesund bleiben und fit werden!

Programm zur Untersuchung des Herz-Kreislauf-Systems mit sportmedizinischer Leistungsdiagnostik

Ein Projekt des Städtischen Klinikums Karlsruhe und des Instituts für Sport und Sportwissenschaft des KIT

Was ist Prävention?

Prävention leitet sich vom lateinischen "praevenire" (zuvorkommen  oder verhüten) ab. Darunter sind vorbeugende Maßnahmen zu subsumieren, die ein unerwünschtes Ereignis oder eine unerwünschte Entwicklung vermeiden sollen. Innerhalb des Präventionsbegriffes sind drei Arten der Prävention zu unterscheiden, und zwar die primäre, sekundäre und tertiäre Prävention.

Die primäre Prävention setzt ein, bevor eine Schädigung oder Krankheit eintritt und sucht nach den Ursachen und Risikofaktoren.

Die sekundäre Prävention erfasst Beeinträchtigungen oder Krankheiten frühzeitig, damit sich der Verlauf nicht verschlimmert oder die Erkrankungen einen chronischen Verlauf nehmen.

Die tertiäre Prävention stellt eine Rückfallvermeidung nach Behandlung oder Verminderung von Folgeproblemen und negativen Begleiterscheinungen dar.

Weiter wird zwischen spezifischer Prävention (sie konzentriert sich auf ein bestimmtes Phänomen) und unspezifischer Prävention (sie richtet sich auf die Vermeidung von unterschiedlichen Risiken) unterschieden, wie auch zwischen Verhaltens- und Verhältnisprävention. Verhaltensprävention richtet sich auf das individuelle Verhalten der Menschen. Sie will gesundheitsriskante Lebensweisen vermeiden und gesundheitsfördernde Lebensweisen fördern. Verhältnisprävention will gesundheitsschädliche Umwelteinflüsse verringern und eine gesunde Lebens- und Arbeitswelt schaffen.

Warum ist eine Prävention von Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems sinnvoll?

Präventive Untersuchungen sind nur begründbar, wenn sich für die Untersuchten ein potentieller Vorteil ergibt. Denkbare Vorteile könnten beispielsweise eine höhere physische oder psychische Leistungsfähigkeit sein. Noch überzeugender ist die begründete Aussicht auf eine statistische Lebensverlängerung.

Nach aktuellen Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind kardiovaskuläre Erkrankungen die häufigste Erkrankungsgruppe. Unter den kardiovaskulären Erkrankungen werden die koronare Herzerkrankung (KHK), die Erkrankungen der hirnversorgenden Gefäße (zerebrovaskuläre Erkrankung), der erhöhte Blutdruck, die periphere arterielle Erkrankung, rheumatische Herzerkrankungen, angeborene Herzerkrankungen und Herzversagen zusammengefasst.

Kardiovaskuläre Erkrankungen sind die global häufigste Todesursache mit 17.5 Millionen in 2005 und geschätzten 20 Millionen in 2015. In 2005 entfielen 5.7 Millionen Tote auf zerebrovaskuläre Erkrankungen und 7.6 Millionen Tote auf Herzerkrankungen. Ursächlich kommt es hier zu Gefäßblockaden der versorgenden arteriellen Gefäße in das Gehirn oder das Herz durch Fettablagerungen in den Blutgefäßen, die zunehmend die Gefäße verengen und verhärten (Atherosklerose). Im finalen Erkrankungsstadium entstehen Gefäßverschlüsse durch Blutgerinnsel, so dass die Blutversorgung unterbrochen wird und Herz- bzw. Hirninfarkte entstehen. Die Ereignisse treten oft ohne vorgehende spürbare Beschwerden der zugrunde liegenden Gefäßerkrankung auf.  Ursächlich sind drei Hauptgründe für die Erkrankung der Blutgefäße verantwortlich, und zwar Nikotinkonsum, mangelnde körperliche Bewegung und ungesunde Ernährung. Erste Fettablagerungen, so genannte Fettstreifen (fatty streaks) sind schon in Jugendlichen nachgewiesen worden und können mit fortschreitendem Alter zunehmen. Frauen sind besonders nach der Menopause gefährdet.

Werden die Erkrankungen nicht rechtzeitig entdeckt und behandelt kann es zu fatalen Folgeerkrankungen in Abhängigkeit vom betroffenen Gefäßabschnitt kommen:

  • Hirngefäße - Schlaganfall
  • Halsgefäße - Schlaganfall
  • Nierengefäße - Bluthochdruck, Funktionseinschränkung
  • Herzgefäße - Herzinfarkt
  • Becken- und Beingefäße - Amputation

Hierbei handelt es sich um häufig auftretende Erkrankungen, die meist mit einer hohen Einschränkung der Lebensqualität verbunden sind und nicht selten tödlich enden. Werden diese Erkrankungen aber rechtzeitig erkannt, steht ein breites Spektrum moderner Therapiemaßnahmen zur Verfügung.

Bildgebend wird die Magnetresonanztomographie (MRT) eingesetzt. Im Jahre 2000 berichtete die Arbeitsgruppe um Stefan Ruehm erstmalig über einen neuen Ansatz der Untersuchung des gesamten Gefäßsystems zur frühzeitigen bildgebenden Diagnose der Atherosklerose. Ruehm konnte 2004 seine Daten an einem größeren Kollektiv mit der Untersuchung von 5312 Gefäßsegmenten in 180 konsekutiven Patienten bestätigen. Behandlungsbedürftige Gefäßerkrankungen fanden sich bei 42 Patienten (23.3%) mit Verengungen der Nierenarterien, der Halsschlagader, der Bauchschlagader und der Armarterien. Matthias Goyen  konnte 2006 über vergleichende Untersuchungen der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit in 245 Patienten berichten und den Wert der Methode  aufzeigen. In 52 Patienten (73 Gefäßsegmente) wurden zusätzlich klinisch relevante Informationen definiert als > 50% Lumeneinengung gefunden. Diese verteilten sich neben der Becken- und Beinarterien auch auf die Nierenarterien als mögliche Ursache eines Bluthochdruckes, auf die Halsschlagader als mögliche Ursache eines Schlaganfalles, die Armarterie oder die Bauchschlagader (Aneurysma) als mögliche Ursache eines plötzlichen Todes durch Verbluten bei Ruptur. Bei neun Patienten wurde eine unverzügliche operative oder interventionelle Therapie angeschlossen. Somit konnte gezeigt werden, dass ein unmittelbarer Einfluss auf das therapeutische Vorgehen besteht. Aktuell sind erhebliche technische Weiterentwicklungen vollzogen worden, die im Klinikum zur Verfügung stehen.

Der Wert einer Prävention des Herz- und Kreislaufsystems ist umfassend belegt. Die Arbeitsgruppe um Paffenbarger zeigte mittels umfassender Längsschnittstudien (beginnend in den siebziger bis in die neunziger Jahre) beispielsweise 1993 an einem Kollektiv von 10.269 Männern zwischen 45 bis 84 Jahren, dass durch eine Kontrolle der Risikofaktoren Zigarettenkonsum, Übergewicht, Bluthochdruck und körperliche Bewegung die kardiovaskuläre Sterblichkeit gesenkt werden kann. Dabei war jeder einzelne Risikofaktor für sich wirksam. Die nachfolgende Abbildung zeigt deutlich das Gesundheitspotential körperlicher Aktivität .

Herzinfarktreduktion

Abb. Herzinfarktreduktion durch körperliche Aktivität
Abb. Herzinfarktreduktion durch körperliche Aktivität

Risikofaktoren und Sterblichkeit

Betrachtet man das relative Todesrisiko in Abhängigkeit von der Sterblichkeit, wird deutlich, dass eine schlechte Fitness und das Rauchen die negativsten Auswirkung haben.

Abb. Risikofaktoren und Sterblichkeit
Abb. Risikofaktoren und Sterblichkeit

Gesundheitspotential körperlicher Aktivität

Das Gesundheitspotential körperlicher Aktivität ist gut dokumentiert. Es ist erwiesen, dass durch ein regelmäßiges Training die funktionelle Leistungsreseve des menschlichen Organismus genutzt werden kann, so dass ein trainierter 80-jähriger durchaus die Leistungsfähigkeit eines untrainierten 40-50-jährigen aufweisen kann. In der folgenden Abbildung ist die Evidenzlage zusammengefasst.

Abb. Gesundheitspotential körperlicher Aktivität
Abb. Gesundheitspotential körperlicher Aktivität

Wirkungen körperlicher Aktivität auf Mortalität und Morbidität

Abb. Sportwissenschaftliche Evidenzlage der Wirkungen körperlicher Aktivität auf Mortalität und Morbidität
Abb. Sportwissenschaftliche Evidenzlage der Wirkungen körperlicher Aktivität auf Mortalität und Morbidität