Brustzentrum
Das Brustzentrum Karlsruhe – Pforzheim setzt sich aus den zwei Standorten
Städtisches Klinikum Karlsruhe und Siloah Krankenhaus Pforzheim zusammen.
Das Brustzentrum ist von Onkozert (Deutsche Krebsgesellschaft / Deutsche Gesellschaft für Senologie) zertifiziert.
Allgemeines
Die Behandlung von gut- und bösartigen Brustveränderungen ist seit Jahren Schwerpunktgebiet der ärztlichen Tätigkeit in der Frauenklinik des Städtischen Klinikums Karlsruhe. Der Leiter des Brustzentrums (Prof. Dr. H. U. Ulmer) und die Oberärztinnen (Frau Dr. A. Ruf-Dördelmann, Frau Dr. P. Baumgärtel-Föry, Frau Dr. F. Postneek und Frau Dr. G. Kaltenecker) sind qualifizierte Brustoperateure die jeweils bereits mehrere Hundert Eingriffe durchgeführt haben. OÄ P. Baumgärtel-Föry ist zusätzlich für das Qualitätsmanagement, OÄ Dr. Postneek für die Psychoonkologie und OÄ Dr. Kaltenecker für die Durchführung von klinischen Studien verantwortlich.
Alle am Brustzentrum beteiligten Ärztinnen und Ärzte der Frauenklinik verfügen über große Erfahrung auf dem gesamten Gebiet der Diagnostik und Therapie von Tumorerkrankungen der Brust. Die in die Frauenklinik eingewiesenen Patientinnen mit Verdacht auf Brustkrebs werden vom Leiter des Brustzentrums (Prof. Dr. H. U. Ulmer) oder dessen Stellvertreterin (Ltde. Oberärztin Frau Dr. A. Ruf-Dördelmann) gesehen. In einem ausführlichen Gespräch werden die weiterführenden Maßnahmen festgelegt, der Krankheitsverlauf wird fast immer im Tumorboard des Brustzentrums diskutiert, um dann weitere notwendige diagnostische Schritte und das therapeutische Vorgehen zu planen.
Leistungszahlen
Derzeit werden pro Jahr über 500 Frauen wegen einer gut- oder bösartigen Brusterkrankung in der Frauenklinik des Städtisches Klinikum Karlsruhe behandelt. Ca. 250 dieser Frauen haben eine neudiagnostizierte Brustkrebserkrankung. Bei den gutartigen Erkrankungen der Brust handelt es sich in erster Linie um Mammahypertrophien, Mammahypoplasien, Brustfehlbildungen, unterschiedliche gutartige Brusttumore sowie Brustentzündungen (Mastitis puerperalis und non puerperalis).
Diagnostik
Bei der diagnostischen Abklärung von Brusttumoren besteht mit zahlreichen niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen und insbesondere mit der radiologischen Abteilung des Klinikums eine enge Zusammenarbeit.
In der Frauenklinik selbst verfügen die ärztlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über große Erfahrung auf dem Gebiet der Mammografie und der Mammasonografie; für die Mammasonografie stehen Ultraschallgeräte mit entsprechenden Mammasonden zur Verfügung. Zur Abklärung der Dignität kann eine Hochgeschwindigkeitsstanzbiopsie durchgeführt werden, welche insbesondere eine rasche histologische Diagnose ermöglicht.
Für die Diagnostik steht im Institut für Bildgebende Verfahren ein modernes digitales Mammografiegerät sowie ein Kernspintomographiegerät mit spezieller Brustspule zur Verfügung. Alle Mammografieaufnahmen werden im Brustzentrum von zwei unabhängigen Untersuchern befundet. Im Rahmen der Diagnostik werden bei nachgewiesenem Brustkrebs zum Ausschluss von Fernmetastasen werden zusätzlich eine Röntgenuntersuchung der Lunge, eine Ultraschalluntersuchung der Leber und eine Knochenszintigrafie angeboten. Diese letztgenannten drei Untersuchungen können sowohl ambulant durch niedergelassene Kolleginnen und Kollegen als auch während des stationären Aufenthaltes nach erfolgter Operation im Brustzentrum durchgeführt werden.
Therapie
Das Spektrum der Therapiemöglichkeiten bei Brustkrebs umfasst die primär systemische Therapie, die operative Therapie (ca. 70% der Frauen mit Brustkrebs können brusterhaltend operiert werden), die Sentinel-Node-Biopsie, die axilläre Lymphonodektomie sowie rekonstruktive Maßnahmen bei Zustand nach Brustamputation.
Primär systemische Therapie
Bei entsprechenden Tumorkonstellationen wird eine medikamentöse Therapie (Chemotherapie oder Hormontherapie) schon vor einer Operation durchgeführt. Diese relativ neue Behandlungsform hat zwei Ziele: Erstens wird vor der Operation der Tumor verkleinert um bessere Bedingungen für die Operation zu schaffen; dadurch können mehr Patientinnen brusterhaltend operiert werden. Zweitens kann so die Wirksamkeit der medikamentösen Therapie direkt beurteilt werden. Stellt sich heraus, dass sich der Tumor unter der medikamentösen Therapie nicht verändert, kann aufgrund dieser Erkenntnis die Therapie geändert werden.
Operative Therapie
Die Entfernung des Tumors bei einer Brusterkrankung ist grundsätzlich notwendig. Bei ungefähr drei von vier Frauen kann eine brusterhaltende Operation durchgeführt werden. Dabei ist jedoch Voraussetzung, dass der Tumor sicher im gesunden Gewebe entfernt werden kann.
Ist es jedoch aufgrund der Größe oder der Ausbreitungsart des Tumors nach mikroskopischer Untersuchung nicht möglich, "im Gesunden" zu operieren, so lässt sich meist eine erweiterte Operation im Sinne einer Brustamputation nicht vermeiden.
Mit diesen Frauen wird ausführlich über die Möglichkeiten einer Brustrekonstruktion gesprochen. Für die Brustrekonstruktion bieten wir sowohl die Rekonstruktion mit Prothesenmaterial als auch die Rekonstruktion mit körpereigenem Gewebe an.
Bei jeder Brustkrebsoperation ist die Abklärung des "Lymphknotenstatus" insbesondere unter dem Aspekt einer weiteren Therapie notwendig. Hierzu wird in der Regel die Sentinel-Node-Biopsie angeboten. Wird eine gewisse Tumorgröße überschritten oder ist der Sentinel-Lymphknoten befallen, so ist es notwendig, die axilläre Lymphonodektomie durchzuführen.
Ebenfalls zum operativen Spektrum gehört auch die Palliativchirurgie regionärer Rezidive. Die Palliativchirurgie von Fernmetastasen, die in Einzelfällen möglich ist, erfolgt in Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen der Klinik für Allgemein- und Visceralchirurgie.
Adjuvante Therapie
Alle Patientinnen werden nach erfolgter chirurgischer Therapie und nach Vorliegen des histologischen Ergebnisses erneut im Tumorboard vorgestellt. Im Rahmen dieser Vorstellung wird die weitere adjuvante medikamentöse Therapie ggf. in Form einer Chemotherapie und/oder Hormontherapie oder einer Therapie mit „small molecules“ oder Antikörpern (endokrin, zytostatisch, immunologisch) festgelegt.
Nach Möglichkeit werden die Patientinnen mit Mammakarzinomen im Rahmen von nationalen und internationalen Therapiestudien behandelt. Das Brustzentrum nimmt an zahlreichen nationalen und internationalen Studienprotokollen teil.
Die Durchführung der adjuvanten Therapie erfolgt in der Regel ambulant in der Frauenklinik.
Für spezielle Fragestellungen besteht eine enge Zusammenarbeit mit der Medizinischen Klinik III Schwerpunkt Hämatologie, Onkologie, Infektiologie und Palliativmedizin.
Strahlentherapie
Die Strahlentherapie wird zur lokalen Tumorkontrolle in der Brust eingesetzt. Es ist heute Standard, dass (fast) alle Frauen nach brusterhaltender Mammakarzinom-Operation lokal bestrahlt werden. Die strahlentherapeutische Abteilung verfügt über modernste Simulations- und Bestrahlungsgeräte. Die Therapie erfolgt in enger Zusammenarbeit mit den Abteilungen im Brustzentrum.
Begleitende Beratung und Unterstützung
Psycho-onkologische Betreuung
In der Frauenklinik wird den Patientinnen mit Brustkrebs während des stationären Aufenthaltes sowie, wenn möglich, auch nach dem stationären Aufenthalt eine psycho-onkologische Beratung bzw. Begleitung angeboten. Auf Wunsch wird auch schon während des stationären Aufenthaltes eine Verbindung zu den Selbsthilfegruppen hergestellt.
- Selbsthilfegruppen
Im Rahmen der psychoonkologischen Betreuung findet in der Frauenklinik eine Selbsthilfegruppe statt, die von OÄ Dr. F. Postneek geleitet wird.Des Weiteren besteht eine enge Zusammenarbeit zu den Selbsthilfegruppen, insbesondere zur Frauenselbsthilfe nach Krebs e.V.
- Begleitetes Malen für Krebspatientinnen
Zwei mal im Monat findet für unsere Krebspatientinnen „Begleitetes Malen“ statt. Die Gruppe wird dabei von Diplom Kunsttherapeutin Frau N. Braendli betreut. Anmeldung erfolgt über Telefon: 0721 974 2450
Humangenetik
Für Frauen mit familiär gehäuft auftretenden bösartigen Erkrankungen, insbesondere Mammakarzinomen, besteht in der Frauenklinik die Möglichkeit zur genetischen Beratung durch unsere Gynäkologin und Fachärztin für Humangenetik Frau Dr. G. v. Beust.
Pflege
Bei den Pflegekräften besteht seit Jahren große Erfahrung in der Betreuung von Malignompatientinnen, insbesondere von Frauen mit Brustkrebs.
Viele der Schwestern sind onkologisch sehr erfahren, einige haben eine spezielle onkologische Ausbildung. Es existieren Pflegestandards sowie eine standardisierte Pflegedokumentation.
Physiotherapie
Alle Frauen mit operiertem Mammakarzinom werden postoperativ durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der physiotherapeutischen Abteilung betreut.
Zentrum für Schmerztherapie Karlsruhe
Für Patientinnen mit speziellen Schmerzzuständen steht im Städtischen Klinikum ein Zentrum für Schmerztherapie zur Verfügung.
Sozialer Dienst
Alle onkologischen Patientinnen im Städtischen Klinikum erhalten durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des sozialen Dienstes eine sozialmedizinische Betreuung.
Brückenschwestern
Es besteht eine enge Zusammenarbeit mit den Brückenschwestern des onkologischen Schwerpunktes Karlsruhe. Die Brückenschwestern ermöglichen, dass viele schwerkranke Brustkrebspatientinnen in ihrer gewohnten häuslichen Umgebung versorgt und gepflegt werden können.
Tumornachsorge, Qualitätssicherung
Alle Patientinnen mit Mammakarzinom werden im Brustzentrum mit den klinisch relevanten Daten sowohl in der Frauenklinik als auch in der Strahlentherapie erfasst, so dass eine lückenlose Dokumentation gewährleistet ist. Hieraus lassen sich jederzeit diverse Qualitätsparameter ermitteln. Zusätzlich erfolgt eine Registrierung der Patientinnen im epidemiologischen Krebsregister.
Das Brustzentrum nimmt an einem bundesweiten Benchmarking teil.
Die Mammakarzinomnachsorge erfolgt entweder durch kompetente niedergelassene Kolleginnen und Kollegen oder kooperativ im Wechsel mit der Frauenklinik. Im Einzelnen gelten hierfür die Richtlinien zur Brustkrebsnachsorge.
Brustkrebsnachsorge (Richtlinien)
In der Nachsorge des Mammakarzinoms hat sich in den letzten Jahren ein Wandel vollzogen.
Im Vordergrund der Nachsorge beim Mammakarzinom steht die frühzeitige Entdeckung von lokoregionären und intramammären Rezidiven sowie Zweitkarzinomen in der kontralateralen Brust. Neben einer sorgfältig durchgeführten Anamnese und klinischen Untersuchung ist es eine wichtige Aufgabe in der Nachsorge, die Patientinnen kompetent zu begleiten und zu betreuen, sowie menschliche Wärme und Zuwendung zu vermitteln.
Gibt es im Rahmen der Anamnese und der klinischen Untersuchung Hinweise auf mögliche Fernmetastasen, so müssen diese apparativ-technisch abgeklärt werden. Etwa 90% der Fernmetastasen können durch eine sorgfältig durchgeführte Anamnese und durch eine körperliche Untersuchung entdeckt werden.
Röntgen-Thorax-Aufnahmen, Skelettszintigraphie und Sonographie der Oberbauchorgane sind bei beschwerdefreien Frauen nicht erforderlich. Die gleichen Überlegungen gelten auch für die Labordiagnostik, hierbei ist insbesondere die Tumormarkerbestimmung nicht sinnvoll.
Im Rahmen der Beratung müssen zudem Probleme der Kontrazeption und der Hormonersatztherapie diskutiert werden, ebenso müssen psychosoziale und psychosexuelle Probleme angesprochen werden.
Die umfangreichen Erfahrungen, die über viele Jahre hin mit der schematischen Diagnostik mittels apparativer Verfahren und Laboruntersuchungen durchgeführt wurde, haben letztendlich keinen entscheidenden Vorteil für die betroffenen Frauen gebracht. Viele „falsch positive“ Befunde haben häufig zu einer unnötigen psychischen Belastung geführt, ohne dass für die betroffenen Frauen daraus ein Benefit entstanden wäre. Nach dem derzeitigen Kenntnisstand ist die Überlebenszeit für die Frauen unabhängig davon, ob die Fernmetastasen vor oder nach dem Auftreten von Symptomen diagnostiziert werden.
Die entsprechenden Untersuchungszeiträume und der Zeitpunkt der durchzuführenden Mammographien wurden auf einer Konsensuskonferenz in Berlin festgelegt. Hiernach sieht der derzeitig empfohlene Nachsorgeplan wie folgt aus:
| Untersuchung | Anamnese, klein. U. | Mammographie Op. Brust | Mammographie Gegenseite |
|---|---|---|---|
| 1.-3. Jahr | Alle 3 Monate | Alle 6 Monate | Alle 12 Monate |
| 4.-5. Jahr | Alle 6 Monate | Alle 12 Monate | Alle 12 Monate |
| Ab 6. Jahr | Alle 12 Monate | Alle 12 Monate | Alle 12 Monate |
