Brustzentrum Klinikum Karlsruhe

Das Brustzentrum Klinikum Karlsruhe ist von Onkozert (Deutsche Krebsgesellschaft/Deutsche Gesellschaft für Senologie) zertifiziert.

Allgemeines

Die Behandlung von gut- und bösartigen Brustveränderungen ist seit Jahren Schwerpunktgebiet der ärztlichen Tätigkeit in der Frauenklinik des Städtischen Klinikums Karlsruhe.

Die Leiterin des Brustzentrums Dr. Antonia Ruf-Dördelmann, der Klinikdirektor der Frauenklinik Prof. Dr. Andreas Müller und die Oberärztinnen Dr. Gabriele Kaltenecker und Heike Weber sind qualifizierte Brustoperateure, die jeweils bereits mehrere hundert Eingriffe durchgeführt haben. Dr. Gabriela von Beust ist für das Qualitätsmanagement sowie die humangenetische Beratung und Oberärztin Dr. Gabriele Kaltenecker für die Durchführung von klinischen Studien verantwortlich.

Alle am Brustzentrum beteiligten Ärztinnen und Ärzte der Frauenklinik verfügen über große Erfahrung auf dem gesamten Gebiet der Diagnostik und Therapie von Tumorerkrankungen der Brust. Die in die Frauenklinik mit Verdacht auf Brustkrebs eingewiesenen Patientinnen werden von der Leiterin des Brustzentrums Dr. Antonia Ruf-Dördelmann oder vom stellv. Leiter des Brustzentrums und Klinikdirektor der Frauenklinik Prof. Dr. Andreas Müller gesehen. In einem ausführlichen Gespräch werden die weiterführenden Maßnahmen festgelegt. Der Krankheitsverlauf wird im Tumorboard des Brustzentrums diskutiert, um dann weitere diagnostische Schritte und das therapeutische Vorgehen zu planen.

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Leistungszahlen

Derzeit werden pro Jahr über 500 Frauen mit gut- oder bösartigen Brusterkrankung in der Frauenklinik des Städtisches Klinikum Karlsruhe behandelt. Ca. 270 dieser Frauen haben eine neudiagnostizierte Brustkrebserkrankung. Bei den gutartigen Erkrankungen der Brust handelt es sich in erster Linie um Mammahypertrophien, Mammahypoplasien, Brustfehlbildungen, unterschiedliche gutartige Brusttumore sowie Brustentzündungen (Mastitis puerperalis und non puerperalis). 

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Diagnostik

Bei der diagnostischen Abklärung von Brusttumoren besteht mit zahlreichen niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen, dem Mammographiescreening-Programm und insbesondere mit der radiologischen Abteilung des Klinikums eine enge Zusammenarbeit.

In der Frauenklinik selbst verfügen die ärztlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über große Erfahrung auf dem Gebiet der Mammografie und der Mammasonografie; für die Mammasonografie stehen  Ultraschallgeräte mit entsprechenden Mammasonden zur Verfügung. Zur Abklärung der Dignität kann eine Hochgeschwindigkeitsstanzbiopsie durchgeführt werden, welche insbesondere eine rasche histologische Diagnose ermöglicht.

Für die Diagnostik steht im Institut für Bildgebende Verfahren ein modernes digitales Mammografiegerät sowie ein Kernspintomographiegerät mit spezieller Brustspule zur Verfügung. Alle Mammografieaufnahmen werden im Brustzentrum von zwei unabhängigen Untersuchern befundet. Im Rahmen der Diagnostik werden bei nachgewiesenem Brustkrebs zum Ausschluss von Fernmetastasen werden zusätzlich eine Röntgenuntersuchung der Lunge, eine Ultraschalluntersuchung der Leber und eine Knochenszintigrafie angeboten. Diese letztgenannten drei Untersuchungen können sowohl ambulant durch niedergelassene Kolleginnen und Kollegen als auch während des stationären Aufenthaltes nach erfolgter Operation im Brustzentrum durchgeführt werden.

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Therapie

Das Spektrum der Therapiemöglichkeiten bei Brustkrebs umfasst die primär systemische Therapie (oder auch neoadjuvante Therapie genannt), die operative Therapie (ca. 70% der Frauen mit Brustkrebs können brusterhaltend operiert werden), die Sentinel-Node-Biopsie, die axilläre Lymphonodektomie sowie rekonstruktive Maßnahmen bei Zustand nach Brustamputation.

Primär systemische Therapie

Bei entsprechenden Tumorkonstellationen wird eine medikamentöse Therapie (Chemotherapie oder Hormontherapie) schon vor einer Operation durchgeführt. Diese relativ neue Behandlungsform hat zwei Ziele:  Zum einen wird der Tumor vor der Operation verkleinert, wodurch mehr Patientinnen brusterhaltend operiert werden können. Zum anderen kann die Wirksamkeit der medikamentösen Therapie an der Größe des Tumors direkt beurteilt werden. Stellt sich heraus, dass sich der Tumor unter der medikamentösen Therapie nicht verändert, kann aufgrund dieser Erkenntnis die Therapie auch geändert werden.

Operative Therapie

Die Entfernung des Tumors bei einer Brusterkrankung ist grundsätzlich notwendig. Bei ungefähr drei von vier Frauen kann eine brusterhaltende Operation durchgeführt werden. Dabei ist jedoch Voraussetzung, dass der Tumor sicher im gesunden Gewebe entfernt werden kann.

Ist es jedoch aufgrund der Größe oder der Ausbreitungsart des Tumors nach mikroskopischer Untersuchung nicht möglich, "im Gesunden" zu operieren, so lässt sich meist eine erweiterte Operation im Sinne einer Brustamputation nicht vermeiden.

Mit  den betroffenen Frauen wird ausführlich über die Möglichkeiten einer Brustrekonstruktion gesprochen. Für die Brustrekonstruktion bieten wir sowohl die Rekonstruktion mit Prothesenmaterial als auch die Rekonstruktion mit körpereigenem Gewebe an. Hier arbeiten wir eng mit dem plastischem Chirurgen Dr. Thomas Gohla zusammen.

Bei jeder Brustkrebsoperation ist die Abklärung des "Lymphknotenstatus" insbesondere unter dem Aspekt einer weiteren Therapie notwendig. Hierzu wird in der Regel die Sentinel-Node-Biopsie angeboten. Wird eine gewisse Tumorgröße überschritten oder ist der Sentinel-Lymphknoten befallen, so ist es meist notwendig, die axilläre Lymphonodektomie durchzuführen. Bei kleinen Metastasen im Sentinel-Lymphknoten kann evtl. auf eine Operation der Achselhöhle verzichtet werden, dies muss mit der Patientin individuell besprochen werden.

Ebenfalls zum operativen Spektrum gehört auch die Palliativchirurgie regionärer Rezidive. Die Palliativchirurgie von Fernmetastasen, die in Einzelfällen möglich ist, erfolgt in Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen der Klinik für Allgemein- und Visceralchirurgie.

Adjuvante Therapie

Alle Patientinnen werden nach erfolgter chirurgischer Therapie und nach Vorliegen des histologischen Ergebnisses erneut im Tumorboard vorgestellt. Im Rahmen dieser Vorstellung wird die weitere adjuvante medikamentöse Therapie ggf. in Form einer Chemotherapie und/oder Hormontherapie oder einer Therapie mit „small molecules“ oder Antikörpern (endokrin, zytostatisch, immunologisch) oder eine Strahlentherapie festgelegt.

Weiterhin bieten wir bei spezieller Indikation die Bestimmung der Proteasen als Leistung der Klinik an. Dies sind spezielle Eiweißeigenschaften des Tumorgewebes, die einen Hinweis auf die Notwendigkeit einer Chemotherapie geben können.

Nach Möglichkeit werden die Patientinnen mit Mammakarzinomen im Rahmen von nationalen und internationalen Therapiestudien behandelt. Das Brustzentrum nimmt an zahlreichen nationalen und internationalen Studienprotokollen teil.

Die Durchführung der adjuvanten Therapie ,auch der Chemotherapie und der Therapie mit Herzeptin, erfolgt in der Regel ambulant in der Frauenklinik.

Für spezielle Fragestellungen besteht eine enge Zusammenarbeit mit der Medizinischen Klinik III Schwerpunkt Hämatologie, Onkologie, Infektiologie und Palliativmedizin.

Strahlentherapie

Die Strahlentherapie wird zur lokalen Tumorkontrolle in der Brust eingesetzt. Es ist heute Standard, dass (fast) alle Frauen nach brusterhaltender Mammakarzinom-Operation lokal bestrahlt werden. Die Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie verfügt über modernste Simulations- und Bestrahlungsgeräte. Die Therapie erfolgt in enger Zusammenarbeit mit den Abteilungen im Brustzentrum.

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Begleitende Beratung und Unterstützung

Psycho-onkologische Betreuung

In der Frauenklinik wird den Patientinnen mit Brustkrebs während des stationären Aufenthaltes sowie, wenn möglich, auch nach dem stationären Aufenthalt eine psycho-onkologische Beratung bzw. Begleitung angeboten. 

  • Selbsthilfegruppen
    Auf Wunsch wird auch schon während des stationären Aufenthaltes eine Verbindung zu den Selbsthilfegruppen hergestellt. Es besteht eine enge Zusammenarbeit zu den Selbsthilfegruppen, insbesondere zur Frauenselbsthilfe nach Krebs e.V Gruppe Karlsruhe,
    Brigitte Hug, Telefon: 07246 944759
    brigitte-hug@web.de  www.frauenselbsthilfe.de 
  • Begleitetes Malen für Krebspatientinnen
    Zwei mal im Monat findet für unsere Krebspatientinnen „Begleitetes Malen“ statt. Die Gruppe wird dabei von Diplom Kunsttherapeutin Frau N. Braendli betreut. Anmeldung erfolgt über Telefon: 0721 974-2450

Humangenetik

Für Frauen mit familiär gehäuft auftretenden bösartigen Erkrankungen, insbesondere Mammakarzinomen, besteht in der Frauenklinik die Möglichkeit zur genetischen Beratung durch unsere Gynäkologin und Fachärztin für Humangenetik Frau Dr. G. v. Beust.

Pflege

Bei den Pflegekräften besteht seit Jahren große Erfahrung in der Betreuung von Malignompatientinnen, insbesondere von Frauen mit Brustkrebs.
Viele Pflegekräfte sind onkologisch sehr erfahren, einige der Pflegkräfte haben eine spezielle onkologische Ausbildung. Es existieren Pflegestandards sowie eine standardisierte Pflegedokumentation.

Physiotherapie

Alle Frauen mit operiertem Mammakarzinom werden postoperativ durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der physiotherapeutischen Abteilung betreut.

Zentrum für Schmerztherapie Karlsruhe

Für Patientinnen mit speziellen Schmerzzuständen steht im Städtischen Klinikum ein Zentrum für Schmerztherapie zur Verfügung.

Sozialer Dienst/ Patientenberatung

Alle onkologischen Patientinnen im Städtischen Klinikum Karlsruhe erhalten durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des sozialen Dienstes eine sozialmedizinische Betreuung.

Brückenschwestern

Es besteht eine enge Zusammenarbeit mit den Brückenschwestern des onkologischen Schwerpunktes Karlsruhe. Die Brückenschwestern ermöglichen, dass viele schwerkranke Brustkrebspatientinnen in ihrer gewohnten häuslichen Umgebung versorgt und gepflegt werden können.

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Tumornachsorge, Qualitätssicherung

Alle Patientinnen mit Mammakarzinom werden im Brustzentrum mit den klinisch relevanten Daten sowohl in der Frauenklinik als auch in der Strahlentherapie erfasst, so dass eine lückenlose Dokumentation gewährleistet ist. Hieraus lassen sich jederzeit diverse Qualitätsparameter ermitteln. Zusätzlich erfolgt eine Registrierung der Patientinnen im epidemiologischen Krebsregister.

Das Brustzentrum nimmt an einem bundesweiten Benchmarking teil.

Die Mammakarzinomnachsorge erfolgt entweder durch kompetente niedergelassene Kolleginnen und Kollegen oder kooperativ im Wechsel mit der Frauenklinik. Im Einzelnen gelten hierfür die Richtlinien zur Brustkrebsnachsorge.

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Brustkrebsnachsorge (Richtlinien)

In der Nachsorge des Mammakarzinoms hat sich in den letzten Jahren ein Wandel vollzogen.

Im Vordergrund der Nachsorge beim Mammakarzinom steht die frühzeitige Entdeckung von lokoregionären und intramammären Rezidiven sowie Zweitkarzinomen in der kontralateralen Brust. Neben einer sorgfältig durchgeführten Anamnese und klinischen Untersuchung ist es eine wichtige Aufgabe in der Nachsorge, die Patientinnen kompetent zu begleiten und zu betreuen, sowie menschliche Wärme und Zuwendung zu vermitteln.

Gibt es im Rahmen der Anamnese und der klinischen Untersuchung Hinweise auf mögliche Fernmetastasen, so müssen diese apparativ-technisch abgeklärt werden. Etwa 90% der Fernmetastasen können durch eine sorgfältig durchgeführte Anamnese und durch eine körperliche Untersuchung entdeckt werden.

Röntgen-Thorax-Aufnahmen, Skelettszintigraphie und Sonographie der Oberbauchorgane sind bei beschwerdefreien Frauen nicht erforderlich. Die gleichen Überlegungen gelten auch für die Labordiagnostik, hierbei ist insbesondere die Tumormarkerbestimmung nicht sinnvoll.

Im Rahmen der Beratung müssen zudem Probleme der Kontrazeption und der Hormonersatztherapie diskutiert werden, ebenso sollten psychosoziale und psychosexuelle Probleme angesprochen werden.

Die umfangreichen Erfahrungen, die über viele Jahre hin mit der schematischen Diagnostik mittels apparativer Verfahren und Laboruntersuchungen durchgeführt wurden, haben letztendlich keinen entscheidenden Vorteil für die betroffenen Frauen gebracht. Viele „falsch positive“ Befunde haben häufig zu einer unnötigen psychischen Belastung geführt, ohne dass für die betroffenen Frauen daraus ein Nutzen entstanden wäre. Nach dem derzeitigen Kenntnisstand ist die Überlebenszeit für die Frauen mit Brustkrebsunabhängig davon, ob die Fernmetastasen vor oder nach dem Auftreten von Symptomen diagnostiziert wurden.

Die entsprechenden Untersuchungszeiträume und der Zeitpunkt der durchzuführenden Mammographien wurden auf einer Konsensuskonferenz in Berlin festgelegt. Hiernach sieht der derzeitig empfohlene Nachsorgeplan wie folgt aus:

Nachsorgeplan

Nachsorgeplan
Untersuchung Anamnese, klein. U. Mammographie Op. Brust Mammographie Gegenseite
1.-3. Jahr Alle 3 Monate Alle 6 Monate Alle 12 Monate
4.-5. Jahr Alle 6 Monate Alle 12 Monate Alle 12 Monate
Ab 6. Jahr Alle 12 Monate Alle 12 Monate Alle 12 Monate