Chirurgische Therapie

Adipositaschirurgie

Unter der Adipositaschirurgie versteht man chirurgische Verfahren zur Behandlung der Adipositas. Prinzipiell werden die operativen Verfahren unterschieden in:

Restriktive Verfahren:
Hierdurch wird die aufnehmbare Nahrungsmenge eingeschränkt z. B. Magenballon, Magenband, Schlauchmagen

Restriktive und malabsorptive Verfahren:
Hier kommt es neben der Einschränkung der Nahrungsmenge zu einer verminderten Aufnbahme der Nahrungsbestandteile über den Darm z.B. Magenbypass, biliopankreatische Diversion mit und ohne Duodenal-Switch

Magenballon

Der Magenballon wird über eine Magenspiegelung eingebracht und dann im Magen mit 500 bis 700ml Flüssigkeit gefüllt.

Hierdurch kommt es zu einem früher einsetzenden Sättigungsgefühl. Nachteilig ist, dass der Magenballon aufgrund seiner Beschaffenheit nach spätestens 6 Monaten entfernt werden muss. Nach Entfernung des Magenballons kommt es zur erneuten Gewichtszunahme.

Somit stellt der Magenballon letztlich nur eine vorübergehende Maßnahme, z. B. zur Operationsvorbereitung dar.

In 6 Monaten ist mit einem Magenballon mit einer Gewichtsreduktion von 18 bis 42 kg zu rechnen, was eine nachfolgende Operation und die erforderliche Narkose positiv beeinflussen kann.

Das verstellbare Magenband

Das verstellbare Magenband wird in Form einer laparoskopischen Operation (Schlüsselloch-Chirurgie) in Vollnarkose eingebracht. Hierzu sind 5 kleine Schnitte erforderlich.

Dabei wird das Magenband knapp unterhalb des Übergangs zwischen Speiseröhre und Magen angelegt. Eine Portkammer wird in aller Regel unterhalb des linken Rippenbogens ins Unterhautfettgewebe eingelegt und an der Muskelhaut befestigt. Diese Portkammer kann durch die Haut angestochen werden, um mit Flüssigkeit das Magenband zu füllen. Hierdurch wird der Übertritt von Nahrung aus dem kleinen Vormagen in den Restmagen verzögert, was zu einem länger anhaltenden Sättigungsgefühl führt.

Das Magenband ist geeignet bei Patienten mit BMI 35 bis 50. Für welchen Patienten ein Magenband in Frage kommt, muss aber individuell entschieden werden. Es verbleibt lebenslang im Körper, da bekannt ist, dass nach Entfernung des Bandes auch nach vielen Jahren das Gewicht wieder ansteigt.

Die Gewichtsreduktion erfolgt durch die verminderte Nahrungsaufnahme. Nach einer Operation muss der Patient im weiteren Verlauf unter ständiger ärztlicher Kontrolle verbleiben. Zusätzlich muss eine weitere Ernährungstherapie mit Umstellung der Essgewohnheiten und Veränderung der Lebensgewohnheiten erfolgen. Zusätzlich ist mit der Reduktion des Körpergewichts eine zunehmende körperliche Aktivität unabdingbar.

Die zu erwartende Gewichtsreduktion liegt im Durchschnitt bei etwa 50 bis 60% des Übergewichts, hängt jedoch wesentlich von der Mitarbeit des Patienten ab.

Sleeve Gastrektomie

Bei der Sleeve Gastrektomie wird operativ das Fassungsvermögen des Magens um ca. 80-90% verkleinert, in dem ein schlauchförmiger Magen gebildet wird. Der Magenpförtner wird hierbei erhalten und der Magen ca. 6cm vor dem Magenpförtner nach oben hin zum Übergang der Speiseröhre in den Magen abgetrennt. Der abgetrennte Teil des Magens wird aus dem Körper entfernt.

Diese Operation wird regelhaft laparoskopisch ausgeführt und dauert ca. 45 Minuten.
Der Übergewichtsverlust durch dieses Verfahren beträgt ca. 60%.

Das sog. restriktive Verfahren eignet sich für Patienten mit einem BMI von 40-50kg/m², die keine Süßesser sind und keine starken Refluxbeschwerden haben.

Weiterhin wird dieses Verfahren auch bei Patienten mit höhrem BMI und hohem Risiko durch Begleiterkrankungen im Rahmen eines Stufenkonzeptes durchgeführt. D.h. in einem ersten operativen Eingriff wird der Schlauchmagen angelegt. Nach einer Gewichtsreduktion von 40-70kg wird dann in der Regel nach einem Jahr ein zweiter Eingriff als Umwandlung zum Magenbypass oder zur biliopankreatischen Diversion mit Duodenal switch durchgeführt. Dieser zweiter Eingriff kann dann durch die vorangegangene Gewichtsreduktion mit einem deutlich niedrigeren Risiko durchgeführt werden.

Der Magenbypass

Hierbei wird der Magen kurz nach dem Übergang zwischen Speiseröhre und Magen durchtrennt, eine Dünndarmschlinge wird zur Ableitung der Speise an diesen kleinen Magenrest angenäht und etwas tiefer erfolgt die Verbindung zwischen den voneinander getrennten Dünndarmanteilen.

Hierdurch ist auf eine Strecke von ca. 150 cm der Speisebrei von den Verdauungsenzymen getrennt, was zu einer späteren Aufschlüsselung der Nahrungsbestandteile führt. Der wesentliche Anteil an der Gewichtreduktion ist jedoch auch bei dieser Operation die eingeschränkte Menge der zugeführten Nahrung durch die Bildung des kleinen Magens. Die Operation wird in unserer Klinik laparoskopisch durchgeführt.

Der Magenbypass ist besonders für Patienten mit einem BMI > 45 sowie für Patienten mit Diabetes mellitus geeignet. Es ist in zahlreichen Studien nachgewiesen, dass nach einer derartigen Operation, in Abhängigkeit der Dauer einer bestehenden Zuckerkrankheit, über 80% der Patienten keine Diabetes-Medikamente mehr einnehmen müssen.

Die zu erwartende Gewichtsreduktion ist im Durchschnitt mit ca. 70% des Übergewichts anzugeben. Wie bei allen anderen Therapieformen bei Adipositas, ist auch hier die Mitarbeit und Konsequenz des Patienten das mitentscheidende Kriterium für den langfristigen Erfolg.

Biliopankreatische Diversion nach Scopinaro

Bei dieser Operation wird ein 2/3-Magenentfernung durchgeführt. Anschliessend wird eine untere Dünndarmschlinge an den Restmagen angeschlossen. Ca. 50cm vor dem Übergang von Dünndarm zu Dickdarm wird dann Dünndarm an Dünndarm genäht. Nur diese letzten 50cm dienen somit der Verdauung.

Somit kommt es durch die Verkleinerung des Magens zu einer verminderten Menge bei der Nahrungsaufnahme, andererseits durch den kurzen gemeinsamen Schenkel des Verdauungstrakts zu einer verminderten Aufnahme von Nahrungsbestandteilen. Die Durchführung dieser Operation erfolgt laparoskopisch.

Dieses Operationsverfahren wird überwiegend bei Patienten BMI > 60 sowie bei Patienten mit Diabetes mellitus eingesetzt.

Im Langzeitverlauf ist hier mit einer Reduktion des Übergewichts von ca. 80% zu rechnen.

Biliopankreatische Diversion mit Duodenal-Switch

Zunächst erfolgt hier die längsgerichtete Teilentfernung des Magens (Schlauchmagenbildung) und die Durchtrennung des Zwölffingerdarms nach dem Magenpförtner. Danach wird eine untere Dünndarmschlinge an den Zwölffingerdarm angeschlossen. Zuletzt erfolgt die Verbindung zwischen Dünndarm und Dünndarm ca. 100 cm vor Eintritt in den Dickdarm.

Neben der Verminderung der Nahrungsmenge durch den Schlauchmagen, erfolgt auch nach dieser Operation eine verminderte Aufnahme der Nahrungsbestandteile durch den kurzen Dünndarmschenkel am Ende des Dünndarms.

Der Vorteil dieser Technik liegt in der Erhaltung des Magenpförtners, so dass die aufgenommene Nahrung kontrolliert und schrittweise an den Dünndarm abgegeben wird. Die Operation wird in unserer Klinik laparoskopisch durchgeführt.

Die Operationsindikation ist wie bei der vorgenannten Operationstechnik zu sehen. Im langfristigen Verlauf kommt es auch hier zu einer Verminderung des Übergewichts von ca. 75 – 80 %. Die Erfolgsrate bezüglich Diabetes mellitus liegt ebenfalls bei über 90%.

Welcher Patient sollte wie operiert werden?

Wie aufgezeigt, gibt es eine Vielzahl verschiedener Operationsverfahren, die bei adipösen Patienten zur Gewichtsreduktion eingesetzt werden. Der Einsatz der einzelnen Verfahren kann nur für jeden Patienten individuell festgelegt werden.

Hierbei ist zu berücksichtigen:

  • Essverhalten
  • Nebenerkrankungen (z.B. Diabetes mellitus, Herzschwäche)
  • Lebensgewohnheiten (z. B. Beruf)
  • BMI
  • Wunsch des Patienten

Um ein geeignetes Operationsverfahren festzulegen ist eine sorgfältige Vorbereitung, zumeist in Zusammenarbeit mehrerer in der Adipositastherapie bewanderter Spezialisten erforderlich.

Aus diesem Grunde arbeiten wir sowohl innerhalb unserer Klinik als auch im ambulanten Bereich mit solchen Spezialisten aus verschiedenen Fachbereichen zusammen.

Für betroffene Menschen haben wir aus diesem Grund eine eigens hierfür ausgerichtete Sprechstunde in unserer Klinik eingerichtet.

Sollten Sie Interesse an detaillierten Informationen haben, bitten wir Sie, zunächst unsere Selbsthilfegruppe zu besuchen. Im weiteren können Sie selbstverständlich einen Termin in unserer Sprechstunde vereinbaren.