Selektive interne Radiotherapie (SIRT) von Lebertumoren und Lebermetastasen

Die SIRT ist eine innovative lokale Behandlungsform von bösartigen Tumoren in der Leber und stellt eine viel versprechende Option für Patienten dar, deren Leberherde nicht mit lokalen Verfahren (wie z.B. einer Operation oder einer Radiofrequenzablation) behandelbar sind und nicht mehr ausreichend auf eine Chemotherapie ansprechen.

Die SIRT ist eine nuklearmedizinische Therapie und beruht auf dem Einbringen kleiner radioaktiver Kügelchen („Mikrosphären“) in das Tumorgewebe der Leber. Mehrere Millionen dieser Kügelchen werden langsam über einen kleinen Katheter (Schlauch) verabreicht, der zuvor von einem Radiologen von der Leiste aus in die Leberarterie (Leberschlagader) gelegt wurde. Die Kügelchen werden so mit dem Blutstrom direkt in das gut durchblutete Tumorgewebe weitertransportiert und bleiben hier in den kleinen Gefäßen „stecken“, die den Tumor mit arteriellem Blut versorgen. Von dort sendet das in den Kügelchen enthaltene radioaktive Yttrium-90 über einige Tage therapeutisch wirksame Betastrahlung aus. Diese Strahlung schädigt und zerstört damit in erster Linie das umgebende Tumorgewebe und belastet das normale Lebergewebe dabei nur relativ wenig. Nach den gängigen Strahlenschutzbestimmungen ist nach der SIRT ein mindestens 48-stündiger Aufenthalt auf einer nuklearmedizinischen Therapiestation vorgeschrieben.

Die Behandlung ist umso Erfolg versprechender, je stärker Tumorgewebe in der Leber aus der Leberarterie mit Blut versorgt wird. Anhand wissenschaftlicher Studien sind Therapierfolge der SIRT insbesondere für folgende Tumorarten in der Leber belegt:

  • Hepatozelluläres Karzinom
  • Lebermetastasen beim kolorektalen Karzinom
  • Lebermetastasen beim Mammakarzinom
  • Lebermetastasen bei neuroendokrinen Tumoren

Neben diesen Standardindikationen liegen auch für eine Reihe weiterer Tumoren Erfolg versprechende Ergebnisse vor (z.B. Lebermetastasen beim Gallengangskarzinom, Pankreaskarzinom, oder Aderhautmelanom).

Die Behandlung wird dann ins Auge gefasst, wenn andere etablierte Therapieverfahren weitgehend ausgeschöpft sind und darunter eine Progression des Leberbefalls aufgetreten ist, gewisse Einschlusskriterien für die Therapie erfüllt sind (z.B. sollten eine gute Leberfunktion und keine signifikanten Tumorherde außerhalb der Leber vorliegen), und die Behandlung technisch ohne offensichtliche Komplikationen durchführbar ist.

Die Entscheidung hierüber trifft ein interdisziplinäres Tumorboard. Einzelne Mitarbeiter des Teams haben bei der Einführung dieser Therapie in Deutschland mitgewirkt und verfügen somit über weit reichende und langjährige Erfahrungen.

Die SIRT sollte keine Hoffnungen auf eine Heilung der Tumorerkrankung wecken, auch wenn die Behandlung bei einzelnen Patienten den Tumor so weit reduzieren konnte, dass er mit den gängigen Untersuchungsverfahren nicht mehr nachweisbar war. Primäres Behandlungsziel ist eine Lebensverlängerung und eine Verbesserung der Lebensqualität. In einzelnen Fällen konnte durch die SIRT eine so starke Abnahme des Tumorvolumens erzielt werden, dass der restliche Tumoranteil operativ entfernt oder durch Radiofrequenzablation verkocht werden konnte. In den meisten Fällen wird als Zeichen des Therapieerfolges ein Abfall der Tumormarker konstatiert.

 

Abb. FDG PET Untersuchung eines Patienten mit Lebermetastasen eines kolorektalen Karzinoms vor (obere Bildreihe) und nach (untere Bildreihe) SIRT. Deutlicher Rückgang der Lebermetastasierung ("Fadenkreuz")

Nach der Behandlung sollte eine regelmäßige Weiterbetreuung durch einen Onkologen erfolgen. Dieser kann ggf weitere Therapiemaßnahmen zeitnah einleiten. Die Nachsorge wird unsererseits unterstützt durch regelmäßige Untersuchungen mit PET/CT, Leber-MRT und Laborkontrollen (i.d.R. alle 3 Monate).

 

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