Mittelohrchirurgie

Allgemeines

Das Ohr hilft uns Menschen, uns über den Hör- und Gleichgewichtssinn in unserer Umwelt zurechtzufinden. Wir unterscheiden das äußere Ohr, das Mittelohr und das Innenohr.

Das äußere Ohr besteht aus Ohrmuschel und Gehörgang. Die Ohrmuschel ist an der Hörleistung selbst nur zu 1 -3% beteiligt, verbessert aber das Richtungshören (insbesondere die Unterscheidung von vorne und Hinten). Der Gehörgang dient vor allem dazu, das weiter innen liegende folgende Trommelfell vor mechanischen Schäden zu schützen. Aus diesem Grund ist er auch nicht ganz gerade geformt, sondern leicht gebogen.

Das Trommelfell trennt Gehörgang und Mittelohr. Seine Aufgabe besteht in der Abschottung des Mittelohrraumes (Paukenhöhle) und im Auffangen, Weiterleiten und Verstärken der Schallwellen. Das Trommelfell ist dabei direkt mit dem ersten Gehörknöchelchen, dem Hammer verbunden.

Das menschliche Mittelohr hat drei schallverstärkende Gehörknöchelchen, Hammer, Amboß und Steigbügel, die nur wenige Millimeter groß sind und ihre Namen aufgrund ihrer starken Ähnlichkeit mit den Gegenständen erhalten haben. Sie sind über eine komplexe Art und Weise so miteinander verbunden, dass der Schall vom Trommelfell in 20 -30 facher Verstärkung an das Innenohr weitergeleitet wird. Das Mittelohr ist ein großer luftgefüllter Raum, zu dem auch die Zellen im Warzenfortsatz, Knochen hinter der Ohrmuschel, zählen. Wichtig ist ein guter Luftaustausch mit der Umgebung, der durch die Ohrtrompete, die Eustachische Röhre, erfolgt. Sie verbindet den Nasenrachen mit dem Mittelohr und ermöglicht uns den Druckausgleich.

Das Innenohr erhält die Schallwellen durch ein kleines ovales Fenster auf dem der Steigbügel sitzt. An dieses Fenster schließt sich die Hörschnecke oder Cochlea an wo der mechanische Schall in elektrische Impulse umgewandelt wird. Die äußeren Haarzellen wirken dabei als Verstärker, die inneren Haarzellen produzieren dann ein elektrisches Signal, dass über den Hörnerven zum Gehirn weitergeleitet wird.

Ein weiterer wichtiger Teil des Innenohres ist das Gleichgewichtsorgan. Dieses besteht aus den Bogengängen, die Drehbewegungen feststellen können, und Beschleunigungssensoren für lineare Bewegungen.

Unser Behandlungs- und Operationsspektrum umfasst u.a.:

  • Ohrmuscheltumore
  • Ohrfisteln 
  • Gehörgangsverengungen 
  • Knochenauswüchse (Exostosen) im Gehörgang 
  • Mittelohrohroperationen und Tympanoplastik bei
    • Schwerhörigkeit
    • Chronischer Mittelohrentzündung 
    • Cholesteatom
    • Otosklerose (Steigbügeloperation)
  • Glomustumore
  • Morbus Menière (Saccotomie)

Operative Behandlung

Nach eingehender klinischer und apparativer Diagnostik werden sämtliche mikrochirurgischen Techniken der Ohrchirurgie angewandt. Die überwiegende Mehrzahl der Eingriffe wird kosmetisch unauffällig durch den äußeren Gehörgang (endaural) durchgeführt. Zur Hörverbesserung werden defekte Gehörknöchelchenketten entweder mit patienteneigenen Materialien oder mit modernen Prothesen wieder hergestellt. In bestimmten Fällen wird auch ein Laser für Operationen eingesetzt. Spezielle Formen der Schwerhörigkeit werden mit implantierbaren Hörgeräten oder mit Cochlea Implantaten therapiert.

Die Chirurgie des Mittelohres hat drei Ziele:

  • den dauerhaften Verschluss des Trommelfells,
  • die Beseitigung der chronischen Entzündung und
  • die Verbesserung des Gehörs.  


Zur Rekonstruktion von Hammer, Amboss oder Steigbügel werden bei Bedarf Gehörknöchelchen aus Titan benutzt. Der Verschluß des defekten Trommelfells erfolgt mit körpereigener Faszie oder Knorpel.
Bei der Otosklerose ist die Steigbügelfußplatte festgewachsen. Die Therapie besteht in der Teilentfernung des Steigbügels, dem Anlegen einer neuen Öffnung in der Fußplatte und in der Rekonstruktion des Steigbügels mit Hilfe einer Prothese.

Bei Ohrmuschelfehlbildungen oder Defekten nach Unfall oder Tumoroperation kann eine knochenverankerte Epithese angepasst werden.

Auch das Anbringen eines knochenverankerten Hörgerätes ist über diese Technik möglich. Hierzu wird eine Titanschraube im Knochen fixiert und auf die Epithese oder Hörgerät aufgesetzt werden.

Bei den implantierbaren Hörgeräten werden Mittelohrimplantate von Cochlea Implantaten(CI) unterschieden. Die implantierbaren Hörgeräte im Mittelohr dienen der Versorgung einer dauerhaften Innenohrschwerhörigkeit, welche durch ein konventionelles akustisches Hörgerät nicht befriedigend ausgeglichen werden kann.

Cochlea Implantate (CI) werden für die Rehabilitation bei an Taubheit grenzender Schwerhörigkeit oder zur Therapie bei Ertaubung im Kindes- und Erwachsenenalter eingesetzt. CI´s stimulieren bei ausgefallenen Sinneszellen in der Hörschnecke (Cochlea) die Fasern des Hörnerven elektrisch. Diese elektrischen Impulse werden dann an das Sprachzentrum im Gehirn weitergeleitet. Zunächst werden Schallwellen über ein hinter dem Ohr befindliches Mikrophon an einen Sprachprozessor geleitet. Dieser kodiert die wesentlichen Sprachanteile. Über eine Sende- und Empfängerspule werden diese elektrischen Impulse dann über ein Elektronenbündel in die Cochlea und an die Hörnervenfasern gebracht. Nach der Operation schließt sich eine Hör- und Sprachtherapie mit optimaler Einstellung des Sprachprozessors an.