Prostatakrebs

Der Prostatakrebs

Der Prostatakrebs (Prostatakarzinom) ist neben Tumoren der Haut die häufigste bösartige Tumorerkrankung des Mannes und stellt deshalb einen Behandlungsschwerpunkt in unserer Klinik dar. Diese Erkrankung zeichnet innerhalb der Gruppe aller an Krebs gestorbenen Männer für 10% der Todesfälle verantwortlich und steht nach dem Bronchialkarzinom (Lungenkrebs) an zweiter Stelle bei den krebsbedingten Todesursachen der Männer. Das Krebs-Risiko steigt mit zunehmendem Alter: Autopsiestudien haben ergeben, dass jeder zweite Mann im Alter von 70 Jahren einen Prostatakrebs in sich trägt. Jedoch können auch Männer ab einem Alter von ca. 40 Jahren von der Erkrankung betroffen werden. Das Risiko, zu Lebzeiten an einem Prostatakrebs zu erkranken, liegt bei ca. 25%. Die Bösartigkeit eines Tumors wird anhand des sogenannten Gleason-Scores beurteilt. Je nach score (<7: günstige="" prognose="">7: schlechtere Prognose) richtet sich auch das therapeutische Vorgehen.

Symptome

Da der Prostatakrebs im Anfangsstadium oft nur langsam wächst und v.a. in den äusseren Abschnitten der Vorsteherdrüse entsteht, treten Beschwerden häufig erst in fortgeschrittenen Stadien auf. Aus diesem Grund werden ca. 30% aller Karzinome erst zu einem Zeitpunkt entdeckt, zu dem sie nicht mehr komplett heilbar sind. Im fortgeschrittenen Stadium können sich die Tumore durch lokale Beschwerden wie abgeschwächten Harnstrahl, Blut im Urin oder auch Impotenz bemerkbar machen, aber auch durch bereits erfolgte Absiedelungen: Metastasen in Lymphknoten können zu Bein- oder Genitalschwellungen führen, ein Befall von Knochen zu Knochenschmerzen, aber auch zu Blutarmut und Gewichtsverlust.

Vorsorge-Untersuchung und Diagnostik

Da Prostatakarzinome im Anfangsstadium oft unbemerkt bleiben, ist eine Vorsorgeuntersuchung sehr wichtig, denn nur durch diese kann ein Frühstadium rechtzeitig diagnostiziert und richtig behandelt werden. Vorsorge-Untersuchungen werden bei Männern ab dem 45. Lebensjahr empfohlen. Die Früherkennung basiert auf drei Untersuchungsmethoden: einer Blutentnahme, der rektalen Untersuchung (Tastbefund) sowie dem Ultraschall der Prostata. Bei der Blutabnahme wird das Prostata Spezifische Antigen (PSA) gemessen. Ist es auf Werte > 4 ng/ml erhöht, besteht zumindest der Verdacht auf einen Prostatakrebs, bis das Gegenteil bewiesen ist. Leider gibt es zur Zeit keinen festen Grenzwert für das PSA. Bei jungen und Risiko-behafteten Männern sollte der PSA-Grenzwert sogar auf 2,5 – 3 ng/ml abgesenkt werden. Das PSA wird zwar nur von der Prostata gebildet, kann allerdings nicht nur bei bösartigen, sondern auch bei gutartigen Veränderungen der Vorsteherdrüse zu hoch sein. Der PSA-Wert gilt bislang als der beste Vorhersageparameter bezüglich des Prostatakarzinomes. Prostatakrebs entsteht sehr oft in den äusseren Zonen der Drüse, sodass vom Enddarm aus die Prostata, die sich in gesundem Zustand glatt und weich anfühlt, auf verdächtige Verhärtungen gut abgetastet werden kann. Bei der transrektalen Ultraschalluntersuchung der Prostata wird die Drüse auf Grösse und Unregelmässigkeiten untersucht, die Hinweis auf eine bösartige Veränderung geben kann.

Biopsie der Prostata

Ist nun entweder der PSA-Wert erhöht oder die transrektale Untersuchung auffällig, muss eine Gewebeprobeentnahme (Biopsie) der Prostata erfolgen, da nur diese allein genaue Hinweise auf das Vorliegen eines Krebses liefern kann. Hierzu wird nach Vorbereitung mit einem Antibiotikum sowie einem Abführmittel die Prostata unter Zuhilfenahme einer dünnen Nadel sonografisch kontrolliert biopsiert. Insgesamt werden 12 Proben entnommen. Der Eingriff ist weitgehend schmerzfrei und kann problemlos ambulant durchgeführt werden. Eine Narkose ist hierfür nicht notwendig. Tumorzellen können entgegen weitläufiger Meinung durch die Biopsie nicht verschleppt werden, die Untersuchungsmethode gilt als sehr sicher.

Hat sich die Diagnose des Prostatakrebses nun bestätigt, werden zum Ausschluss möglicherweise vorhandener Absiedelungen eine Knochenszintigrafie sowie eine Computertomografie (CT) des Beckens durchgeführt.

Therapie

Die Therapie richtet sich nach dem anfänglichen PSA-Wert, dem Gleason-Score und dem Vorhandensein von Metastasen. Handelt es sich um ein frühes Tumorstadium, so kann eine Heilung erzielt werden. So hat eine Studie hat gezeigt, dass in Tirol nach Einführung der PSA-Bestimmung die Sterblichkeit bei Männern mit Prostatakrebs gegenüber Patienten aus anderen Teilen Österreichs, wo diese PSA-Testung eben nicht stattgefunden hat, reduziert werden konnte.

Grundsätzlich stehen zwei Therapieverfahren zur Auswahl: die Radikaloperation der Prostata und die Bestrahlung. Bei beiden Therapieverfahren sollte der Patient noch in guter körperlicher Verfassung sein und eine Lebenserwartung von ca. 10 Jahren haben

Die Radikal-Operation der Prostata

Sie ist die Standardtherapie des Prostatakrebses im Frühstadium. Bei diesem Eingriff wird in Narkose über einen Bauchschnitt unterhalb des Nabels die Prostata samt Samenbläschen entfernt. Risiken des Eingriffes sind zum einen die (in der Regel nur sehr gering ausgeprägte) Harn-Inkontinenz, die sich unter Beckenbodentraining wieder auf ein Niveau wie vor der Operation einpendeln sollte. Desweiteren wird zu einem gewissen Grad der Verlust der Gliedsteife eintreten. Dies ist dadurch bedingt, dass bei der Radikaloperation diejenigen Nerven geschädigt werden, die in unmittelbarer Nachbarschaft zur Prostata verlaufen und für die Erektion mitverantwortlich sind. Durch verbesserte „nerverhaltende“ (nervschonende) Operationsverfahren können diese Nerven jedoch unter bestimmten Voraussetzungen geschont werden, sodass eine Erektion je nach Patientenalter in ca. 50% mit oder auch ohne Hilfemassnahmen wieder möglich sein kann. Bitte fragen Sie Ihren Urologen oder Krankenhausarzt, ob diese spezielle Operations-Methode auch bei Ihnen möglich ist.

Gleichzeitig werden die Lymphknoten im kleinen Becken entfernt. In diesen Lymphknoten werden neben Gewebswasser aus den Beinen und dem Becken auch eventuell bereits vorhandene Tumor-Ableger gefiltert. Heute weiss man, dass auch bei bereits befallenen Lymphknoten durch die Entfernung derselben eine Überlebensverbesserung und teilweise sogar Heilung bestehen kann.

Als erfahrenes Zentrum führen wir die Radikaloperation der Prostata ca. 250 mal im Jahr durch und können v.a. im Hinblick auf die Kontinenzraten auf sehr gute Ergebnisse zurück blicken. Auch die Heilungschancen liegen beim auf die Prostata begrenzten Krebs (T2-Stadium) bei über 90%. Wenn eine Nervenschonung mit dem Ziel des Erhaltes der Gliedsteine möglich ist, bieten wir Ihnen dieses Verfahren gerne an.

Die Strahlentherapie

Beim lokal begrenzten Prostatakrebs kann alternativ auch eine Strahlentherapie durchgeführt werden. Dies erfolgt entweder von aussen als perkutane Form, oder durch „Spickung“ der Prostata mit radioaktivem „seeds“, reiskorn-ähnlichen Strahlenquellen, die in die Prostata über die Dammregion eingebracht werden und somit den Krebs besiegen sollen. Die Prostata selbst wird bei diesem Eingriff allerdings nicht entfernt, und dieser Eingriff ist nur sinnvoll möglich, wenn sie keine Probleme beim Waserlassen haben und wenn die Prostata nicht zu stark vergrössert ist. Nebenwirkungen der Bestrahlung sind bleibende Schädigungen von Harnblase und Darm (Strahlenblase, Radioproktitis), im Laufe der Zeit kann ebenfalls ein Verlust der Gliedsteife auftreten.

Watchful waiting (Abwarten)

Bei älteren oder anderweitig sehr kranken Menschen mit weniger gefährlichen, langsam wachsenden Prostatakarzinomen kann auch ein abwartend-kontrollierendes Verhalten gewählt werden: Hierbei wird der PSA-Wert engmaschig bestimmt und eine Therapie erst bei weiterem Tumorwachstum eingeleitet. Eine schwedische Studie konnte jedoch zeigen, dass v.a. bei jüngeren Männern das Risiko, an ihrem Krebs zuversterben, gegenüber älteren erhöht ist.

Fortgeschrittener und metastasierter Prostatakrebs

In diesem Falle ist eine Heilung nicht mehr möglich. Um die Krankheit zum Stillstand oder gar zum Rückgang zu bringen, kann dem Patienten das männliche Geschlechtshormon (Testosteron) mittels Medikamenten in Form von 1- oder 3-Monatsdepot-Spritzen entzogen werden. Eine Alternative ist das operative Ausschälen des Hormon-produzierenden Hodengewebes. Nebenwirkungen können sein Hitzewallungen, Osteoporose oder eine Schwellung des Brustgewebes. Die früher häufig verabreichten Östrogene (weibliche Geschlechtshormone) werden heute wegen der gefährlichen Nebenwirkungen nicht mehr verabreicht. Im Falle von schmerzhaften Knochenmetastasen besteht die Möglichkeit einer Bestrahlung, eine medikamentöse Stabilisierung kann durch Gabe von sogenannten Bisphosphonaten als Infusion in 4-wöchentlichen Abständen erfolgen. Eine weitere Möglichkeit besteht in der Durchführung einer Chemotherapie. Langezeit als wirkungslos betitelt, haben neuere Substanzen (Taxane) in zwei grossen Studien zu einer Lebensverlängerung mit vertretbaren Nebenwirkungen geführt, weshalb die Chemotherapie heutzutage zum Standard in der Behandlung des metastasierten Prostatakarzinomes zählt. Auch die Schmerztherapie stellt einen wichtigen Faktor in der Behandlung von Tochtergeschwülsten dar. Mit modernen und nebenwirkungsarmen Medikamenten kann Tumorpatienten ein würdiger und schmerzarmer Lebensabend ermöglicht werden.