Kinderradiologie

Was ist Kinderradiologie?

Die Kinderradiologie ist ein Spezialgebiet der diagnostischen Radiologie und beschäftigt sich mit den besonderen Anforderungen, die an die Durchführung und Auswertung von bildgebenden Untersuchungen bei Patienten zwischen dem 0. und 18. Lebensjahr zu stellen sind. Hierzu gehören vor allem Fachkenntnisse über den wachsenden Organismus und dessen Veränderungen, über kinderspezifische Krankheitsbilder und nicht zuletzt über psychosoziale Komponenten, deren Berücksichtigung für eine erfolgreiche Untersuchung oftmals unverzichtbar ist. Wir legen deshalb besonders großen Wert darauf, die Indikationen (Grund der Röntgenuntersuchung) streng zu kontrollieren und die notwendigen Untersuchungen schonend und mit geringst möglicher Strahlendosis durchzuführen oder gegebenenfalls eine Untersuchung ohne Strahlenbelastung (Ultraschall oder Magnetresonanztomographie) als Alternative einzusetzen. Unsere digitale Röntgenanlage ermöglicht uns eine Nachbearbeitung der Aufnahmen am Computer, so dass Wiederholungsaufnahmen nahezu vollständig vermieden werden können.

Welche Indikationen führen bei Kindern zu einer Röntgenuntersuchung?

Eine Röntgenuntersuchung bei Kindern ist dann notwendig, wenn alternative Untersuchungsmethoden (Ultraschall und Magnetresonanztomographie) nicht für die entsprechende Fragestellung eingesetzt werden können.

Übliche Röntgenuntersuchungen sind die der Lunge (bei Verdacht auf eine Lungenentzündung), des Bauches (z.B. bei Verdacht auf Darmverschluss), des Skelettsystems (bei z.B. Knochenbrüchen) oder auch zur Skelettalter- bzw. Endgrößenbestimmung.

Durchleuchtungsuntersuchungen sind speziellen Fragestellungen vorbehalten. Mit Einführung der Sonographie (Ultraschall) sind diese Untersuchungen zwar weniger geworden, jedoch bei verschiedenen Erkrankungen weiterhin unverzichtbar. Dies betrifft zum Beispiel das MCU (Miktionszystourethrogramm) in der Diagnostik der Harnwegserkrankungen zum Nachweis oder Ausschluss eines Rückflusses von Urin in den Harnleiter und in die Nieren (sog. Vesikoureterorenaler Reflux) oder des Magendarmsystems bei Schluckstörungen oder Entleerungsstörungen.

Aufnahmen des Skelettapparates

Links die Röntgenaufnahme einer Unterarmfraktur und rechts die Bruchstelle nach chirurgischer Behandlung

Skelettaufnahmen nach einem Sturz oder nach Unfällen mit Frage einer knöchernen Verletzung

Das Bild zeigt links die Röntgenaufnahme einer Unterarmfraktur und rechts die Bruchstelle nach chirurgischer Behandlung.

Bei einer knöchernen Verletzung ist oft erst durch die Röntgenaufnahme das Ausmaß der Verletzung oder der Fehlstellung der Knochen beurteilbar.

Zusätzlich gründet sich die Therapieentscheidung des Arztes auf das Röntgenbild, z.B. ob ein Knochenbruch lediglich durch eine Gipsanlage behandelt werden kann oder ob eine Wiederherstellung der normalen Knochenstellung durch z.B. eine kinderchirurgische Nagelung in Narkose nötig ist.

Skelettaufnahmen zur Diagnose von Knochentumoren

Veränderungen der Knochenstruktur im Kindesalter können durch Kochentumoren verursacht sein. Die Art des Tumors und die Frage nach Gut- oder Bösartigkeit lässt sich häufig anhand der Röntgenaufnahme mitbeurteilen.

Zusätzlich kommen ergänzende Untersuchungsmethoden wie z.B. die Magnetresonanztomographie oder teilweise auch eine Computertomographie zum Einsatz.

Wirbelsäulenaufnahme zur Beurteilung der Wirbelsäulenkrümmung

Wirbelsäulenaufnahmen zur Beurteilung der Wirbelsäulenkrümmung (Skoliose)

Auch bei einer sichtbaren Krümmung der Wirbelsäule kann erst durch eine Röntgenaufnahme der genaue Grad der Fehlstellung und die eventuell zugrunde liegende Ursache (z.B. eine Wirbelkörperfehlbildung) erfasst werden. Die Wirbelsäulenaufnahmen dienen dem behandelnden Arzt ebenso zur Verlaufskontrolle der Behandlung und zeigen den Behandlungserfolg.

Beinaufnahme zur Beurteilung von Längendifferenzen

 Beinaufnahmen zur Beurteilung von Längendifferenzen

Angeborene oder erworbene Beinlängenunterschiede können vor allem durch einen Beckenschiefstand nachhaltig Veränderungen der Wirbelsäule verursachen. Auch nach Brüchen des Ober- oder Unterschenkels können Längenunterschiede aufgrund des verschiedenen Wachstums der Beinknochen vorkommen. Die Röntgenaufnahme der Beine dient hierbei zur exakten Vermessung der Längendifferenz und ist die Entscheidungsgrundlage für eine eventuell nötige Korrektur.

Röntgenaufnahme einer Hand zur Bestimmung des Skelettalters

Handaufnahmen zur Bestimmung des Skelettalters

Das Bild zeigt die Röntgenaufnahme einer Hand zur Bestimmung des Skelettalters.

Im Normalfall stimmt das Skelettalter des Kindes mit dem chronologischen Alter überein. Abweichungen zwischen dem chronologischen Alter und dem Skelettalter können unter anderem durch Störungen im Hormonhaushalt oder durch Stoffwechselstörungen verursacht sein. Die Röntgenaufnahme der Hand dient zur Beurteilung, ob eine Störung vorhanden ist. Es ist eine genaue Methode zur Einordnung des Reifezustandes des kindlichen Organismus und zur Prognose der Endgröße.


Aufnahmen der Lunge/des Thorax

Lungenaufnahmen (Thoraxaufnahmen)

Thoraxaufnahmen werden in der Regel bei dem Verdacht auf eine Erkrankung der Lunge angefertigt. Sie dienen zur Klärung z.B. einer Lungenentzündung, eines chronischen Hustens (Asthma) oder zur Lokalisation von eingeatmeten Fremdkörpern im Lungenbereich (z.B. Nussstücke).

Pneumonie im rechten Oberlappen
Pneumonie im rechten Oberlappen
Links Aspiration von Nussstückchen in die rechte Lunge das Herz ist zur Seite geschoben und die Lunge ist einseitig überbläht. Auf dem rechten Bild unauffällige Lungenaufnahme nach Entfernung der Nussstückchen.
Links Aspiration von Nussstückchen in die rechte Lunge das Herz ist zur Seite geschoben und die Lunge ist einseitig überbläht. Auf dem rechten Bild unauffällige Lungenaufnahme nach Entfernung der Nussstückchen.
Lokalisation Fremdkörper (Nadel)

Lokalisation Fremdkörper (Nadel)

Lungenaufnahme Früh- und Neugeborenen-Diagnostik

Bei der Früh- und Neugeborenen-Diagnostik dienen Lungenaufnahmen zur Erkennung einer Lungenunreife, angeborener Fehlbildungen sowie der Beatmungskontrolle und der Lagekontrolle von Beatmungstuben, Venenkathetern oder Dainageschläuchen (trübe Darstellung der Lunge, Herz kaum abgrenzbar).

Durchleuchtungsuntersuchungen

Bei einer Durchleuchtunguntersuchung werden in zeitlichen Abständen Röntgenaufnahmen der entsprechen Region, meist nach Gabe von Kontrastmittel, angefertigt. Bei der Durchleuchtungsuntersuchung können anhand der Passage des verabreichten Kontrastmittels eine angeborene Fehlbildung, Hindernisse wie Fremdkörper oder der postoperative Zustand nachgewiesen bzw. beurteilt werden.

Die Anwendung des Kontrastmittels wird vor dem Beginn der Untersuchung des Kindes individuell auf den kindlichen Organismus abgestimmt.

Die Anwendung von Kontrastmittel ist für den kindlichen Organismus in der Regel sehr gut verträglich. In seltenen Ausnahmefällen können jedoch überempfindliche Reaktionen wie Brech-, Juckreiz oder ein Hautausschlag vorkommen. In äußerst seltenen Fällen können durch Kontrastmittel allergische Schockreaktionen auftreten, die einer stationären Behandlung bedürfen.

Typische Durchleuchtungsuntersuchungen bei Kindern sind Aufnahmen unter Verwendung besonders strahlensparender Techniken des Verdauungs- und Harntraktes :

Durchleuchtung der Speiseröhre, des Magens und des Dünn-/Dickdarms

Zur Untersuchung des Magendarmsystems (Speiseröhre, Magen, Darm) müssen die Kinder nüchtern und teilweise entsprechend abgeführt werden. Den Kindern wird für die Untersuchung der Speiseröhre und des Magens ein Kontrastmittel zum Trinken gegeben oder bei kleineren Kindern mittels Sonde verabreicht.

Darstellung der Speiseröhre
Darstellung der Speiseröhre
Darstellung des Dickdarms

Darstellung des Dickdarms

Bei Untersuchungen des Dickdarms wird das Kontrastmittel über ein Darmrohr in den Enddarm eingeführt werden.

Harnröhren-/Blasendurchleuchtung mit nachweisbarem vesikoureteralem Reflux beidseits

Harnröhren-/Blasendurchleuchtung mit nachweisbarem vesikoureteralem Reflux beidseits

Bei der Untersuchung des Harntraktes erfolgt die Kontrastmittelgabe über einen Blasenkatheter, der über die Harnröhre in die Blase gelegt wird.

Können Eltern bei der Untersuchung anwesend sein?

Das wichtigste Ziel der Kinderradiologie ist die strahlensparende Anfertigung diagnostischer Bildern in hoher Qualität mit präziser medizinischer Aussagekraft. Neben den speziellen radiologischen Untersuchungsgeräten und dem medizinischen Personal hängt der Erfolg der Untersuchung auch von der Kooperation des Kindes ab.

Üblicherweise werden alle Untersuchungen in Anwesenheit der Eltern (Ausnahme bei vorliegender Schwangerschaft der Mutter) durchgeführt. Es wird jedoch zusätzlich vor jeder Untersuchung mit den Eltern abgestimmt, ob das Kind alleine im Untersuchungsraum bleibt oder ein Elternteil während der Untersuchung anwesend sein sollte. Eltern, die während der Untersuchung im Untersuchungsraum anwesend sind, werden aus Sicht des Strahlenschutzes ebenfalls mit Schutzkleidung wie z.B. Bleischürzen ausgestattet.

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